Für Mädchen
Mädchen sein ist gar nicht so einfach. Man muss für so viele Dinge die Verantwortung übernehmen. – besonders beim Thema Sex.
Sex ist eigentlich mit das Schönste auf der Welt. Aber oft geht auch etwas schief. Das hat viele Gründe. Manchmal fehlt einfach die Erfahrung. Manchmal versteht man sich falsch. Manchmal ist der Typ einfach ein Arschloch, obwohl alle behaupten, er wäre voll süß. Und manchmal läuft es auch richtig, richtig übel. Das ist dann das Schlimmste.
Die erste Reaktion ist dann oft die Schuld bei sich selbst zu suchen: „Ich hab ihn provoziert“, „Ich hätte was anderes anzieh’n sollen“, „Warum bin ich nicht früher nach Hause“, „Ich hätte etwas sagen sollen“.
Das ist die falsche Haltung! Wenn Dir jemand Gewalt antut, dann ist derjenige dafür verantwortlich, egal, was Du vorher gesagt, nicht gesagt, gedacht oder ob Du etwas getrunken hast.
Als Mädchen muss man oft stark sein und um sein Recht kämpfen so zu sein, wie man will, Spaß zu haben, ohne dass man schlechte Erfahrungen sammelt oder die Leute schlecht über einen reden.
Aber nun erst mal ganz von vorne:
Sexuelle Gewalt
In den meisten Fällen von Sexueller Gewalt sind Jungen, oder Männer die Täter und Frauen, oder Mädchen die Opfer. Das hat mehrere Gründe:
- Jungen und Männer sind in der Regel körperlich stärker als Frauen und Mädchen.
- Jungen und Männer werden oft dazu erzogen Frauen und Mädchen gegenüber dominant zu sein. Das führt manchmal zu der falschen Annahme, dass sie das Recht haben ihren Willen durchzusetzen.
- Jungen und Männer sind sehr anfällig für Druck aus ihrem Freundeskreis. Sie neigen dazu, sich und anderen etwas beweisen zu müssen.
Es ist jedoch nicht so, dass nur Frauen und Mädchen Opfer sexueller Gewalt werden. Ihr habt bestimmt auch schon von Fällen gehört, in denen Jungen oder Männer misshandelt werden. – Und natürlich gibt es auch Fälle, in denen Sexuelle Gewalt von Frauen ausgeht.
Risiken
Für uns Mädchen ist daher wichtig zu wissen, was die größten Risikofaktoren sind, also, was im Ernstfall zu Sexueller Gewalt führen kann. Wir haben die wichtigsten aufgelistet.
| Risiko 1: | Alkohol. – Wenn man betrunken ist, kann man nicht klar denken. Man schätzt Situationen falsch ein und merkt nicht, dass man sich in Gefahr begibt. Vor allem bei Partys wird oft von allen zu viel getrunken. Da kann dann eher etwas schief gehen. Wenn man jung ist, hat man außerdem seinen Level, also das, was man verträgt, noch nicht so im Griff. Es kann passieren, dass man abstürzt und sich kaum noch bewegen kann. In so einem Zustand kann man sich leider dann auch nicht wehren. |
| Risiko 2: | Ja sagen, nein meinen. – Sex mit einem neuen Partner ist für Mädchen besonders schwer. Auf der einen Seite will man natürlich Zärtlichkeit, Zuwendung, und vielleicht auch mehr, aber am Anfang ist man noch gehemmt und schüchtern und reagiert eher auf das, was der Junge macht. – Und man hört ja auch oft, dass man sich den Jungs nicht an den Hals schmeißen soll. In solchen Situationen sagt man dann manchmal genau das Gegenteil von dem, was man eigentlich meint. Man sagt zu etwas nein, meint aber insgeheim, mach weiter. Oder man sagt ja, weil man Angst hat nein zu sagen, will aber das er aufhört. In solchen Fällen ist es dann für Jungs sehr schwer zu wissen, was gemeint ist. Sie lernen dann, dass das, was Mädchen in solchen Situationen sagen, sowieso nie das ist, was sie eigentlich wollen. |
| Risiko 3: | Opfererfahrung – auf den ersten Blick scheint das unmöglich. Warum sollte ein Mädchen, das bereits einmal Opfer von Sexueller Gewalt geworden ist, wieder in eine solche Situation geraten? |
| Risiko 4: | Fehlende Bezugspersonen – Sex hat etwas mit Anerkennung zu tun. Wenn mich jemand schön findet, gerne Zeit mit mir verbringt und vielleicht sogar in mich verliebt ist, dann merke ich, dass ich für denjenigen wichtig bin. Das gilt insbesondere beim Thema Sex. Im besten Falle ist Sex ein Zeichen von Liebe, Zuneigung und Respekt. Es gibt Menschen, die im Leben zu wenig Liebe und Anerkennung bekommen. Manchmal führt das dazu, dass sie sich die Anerkennung und die Selbstbestätigung über Sex holen. Oftmals haben diese Menschen viele und schnellwechselnde Partner. Es kann dann passieren, dass die Leute anfangen, über sie zu lästern. Manche Jungs oder Männer bilden sich dann ein, sie können mit so einem Mädchen machen, was sie wollen. |
| Risiko 5: | Alter – Die 13 bis 21 Jahre alten Mädchen und jungen Frauen sind die Altersgruppe, die am höchsten gefährdet ist. Das hat einen ganz einfachen Grund. Als Mädchen oder junge Frau habe ich noch nicht so viel Erfahrung mit dem Thema Sex. Je mehr ich über Sex weiß und je mehr ich vor allem über das Thema Sexuelle Gewalt weiß, desto geringer ist das Risiko, dass ich schlechte Erfahrungen mache. |
Wie kann ich mich schützen?
Ich hoffe, ihr habt jetzt keine Angst bekommen. Denn das wäre falsch. Sex ist etwas Wunderschönes und meistens geht ja auch alles gut. Aber Vorsicht ist die beste Verteidigung. Daher hier die wichtigsten Tipps:
| Tipp No 1: | Ich will an dieser Stelle nicht vorschlagen, dass ihr niemals Alkohol trinken sollt. |
| Tipp No 2: | hr müsst lernen zu sagen was ihr wollt. Auch bei einem so schwierigen Thema wie Sex. Und wenn Ihr Nein sagt, dann müsst Ihr auch Nein meinen. Nicht ja oder äh, weiß nicht oder einfach abwarten. Nein bedeutet Nein und ein Nein muss auch wie ein Nein klingen! Wenn ihr aber etwas wollt, dann sagt es auch und macht nicht einen auf keusche Jungfrau. Klare Ansagen brauchen alle! Vor allem Jungs. Die sind ja manchmal etwas schwer von Begriff. |
| Tipp No 3: | Wenn Ihr Opfer von Sexueller Gewalt geworden seid, sucht Euch Hilfe. Ihr könnt das nicht alleine bewältigen. Der erste Schritt in die Richtung ist schwer. – Sehr , sehr schwer! Und es ist nicht einfach, sich mit der Sache noch einmal zu beschäftigen. Man möchte einfach alles vergessen. Und so weiterleben wie bisher. Aber das wird Euch nicht so leicht gelingen. Die Sache wird Euch Euer Leben lang begleiten. Also, besser handeln und Hilfe suchen. Das gilt auch für Dinge, die vielleicht schon ein paar Jahre zurück liegen. Ihr werdet merken, dass es einfach gut tut, sich mit jemand Professionellem darüber zu unterhalten. |
Ihr könnt Euch am besten an AllerleiRauh oder Wildwasser FrauenNotruf wenden.
Sagt, dass Ihr das Theaterstück “Am Ende der Angst” kennt und dass ihr mit jemanden reden müsst. Sie werden Euch sofort helfen. Glaubt mir. Die Leute da sind wirklich in Ordnung. – Und natürlich gilt die Schweigepflicht!
Täter
Was sind das für Menschen, die anderen so viel Leid zufügen? Wieso tun sie das? – Täter zeichnen sich nicht dadurch aus, dass sie besonders auffällig sind, bestimmte Klamotten tragen, oder von vornherein gemein sind. Täter wird man durch das, was man tut.
In den meisten Fällen von Sexueller Gewalt kennen sich Täter und Opfer. Die Männer, die nachts aus dem Gebüsch springen und jemand Wildfremden vergewaltigen sind sehr, sehr selten. – Auch wenn man vor Ihnen immer die meiste Angst hat. Es ist demnach in der Regel so, dass das Opfer dem Täter bereits öfter begegnet ist, vielleicht mit ihm in die gleiche Schule geht oder sogar mit ihm befreundet ist. Das macht die Sache auch oft so kompliziert: „Wieso hat er das gemacht? Wir kennen uns doch?“, „Wenn ich zu einem Erwachsenen gehe, oder ihn anzeige, weiß es gleich das ganze Viertel“, „Werden die Leute mir überhaupt glauben?“, „War das überhaupt Sexuelle Gewalt? Ich hätte mich stärker wehren müssen!“ – All das ist falsch. Schuld hat immer der Täter! Niemand hat ihn gezwungen das zu tun, was er getan hat. Jetzt muss er die Konsequenzen auch tragen!
Und es gibt einen wichtigen Punkt bei der Sache: Wenn jemand merkt, dass er damit durchkommt, wird er sich daran gewöhnen. Er wird es wahrscheinlich wieder tun. Es ist also für alle Beteiligten wichtig, dass etwas unternommen wird. – Auch für den Jungen. Denn jemand, der anfängt sich so zu verhalten braucht dringend Grenzen. Er stürzt sich auch selbst ins Verderben. Also, Mädchen, helft Euch gegenseitig und wehrt Euch!
Sex
Sex ist mit das Schönste auf der Welt. Sex ist ein Zeichen der Liebe und Anerkennung. – Und es macht sehr viel Spaß. Sex ist der Beginn des Lebens jedes Menschen. (Oder hat Euch der Storch gebracht?) Es wäre daher schade, wenn Ihr diesem Thema nur mit Angst und schlechten Gefühlen begegnet. Der Umgang mit Sex mag am Anfang schwer sein, aber Übung macht ja bekanntlich den Meister.
Es gibt ein paar Regeln, die ich Euch mit auf den Weg geben möchte:
| Regel No 1: | Wenn es Spaß macht, ist es in Ordnung. |
| Regel No 2: | W Wenn es keinen Spaß macht, lass es sofort bleiben. |
| Regel No 3: | Sag klar und deutlich, was Du willst oder nicht willst. |
| Regel No 4: | Wehr Dich, wenn etwas läuft, was Du nicht willst. |
| Regel No 5: | Mädchen sollten sich gegenseitig unterstützen, wenn etwas schief läuft. |
| Regel No 6: | Halt Dich an die netten Jungs und nicht unbedingt an die Coolsten. |
| Regel No 7: | Kümmer Dich um die Verhütung. Die meisten Jungs haben keine Ahnung davon. Am besten informierst Du Dich, wie das mit dem Kondom funktioniert – und hast dann auch welche dabei! |
Und jetzt: Viel Spaß :-)
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